Tafel 7
Anzeichen von Intoleranz


Seite aus der anonymen antijüdischen Broschüre "Brief Rabbi Samuels an Rabbi Isaak, in dem behauptet wird, daß Jesus von Nazareth der wahre Messias sei ..." (Krakau 1539). Der unter der Abbildung eines Juden gedruckte Untertitel lautet in hebräischer, griechischer und lateinischer Schrift: "Meine Hoffnung liegt in Christus".

Titelseite eines Druckes, in dem über den Tod des jüdischen Krakauer Apothekers Matatjasz Kałahora berichtet wird (wahrscheinlich 1666). Der Gotteslästerung angeklagt, wird er im Jahre 1663 auf dem Scheiterhaufen in Piotrków (südlich von Łódź) verbrannt.

Seit dem Mittelalter ist es weit verbreitet, Juden zu unterstellen, Christenkinder zu entführen und an ihnen rituelle Morde zu begehen. Das Bild aus der Paulskirche in Sandomierz (nordöstlich von Krakau) stellt die Szene eines Ritualmordes dar, der dort angeblich 1710 stattgefunden haben soll. Solche Anklagen führen häufig zu Prozessen gegen einzelne Juden oder auch gegen die ganze Gemeinde.

Titelseite einer anonymen antijüdischen Broschüre "Kozubalec oder die Verteidigung aller Juden ..." (wahrscheinlich aus Krakau, 1626). Kozubalec werden die Geldleistungen genannt, die Studenten und Geistliche von den Juden erpressen. Der Name kommt von "kozub" (Korb), den die Juden auf den Marktplatz tragen.

Letzte Seite der Erstausgabe von "Jewen Mezula" (Venedig 1653), einer Chronik des Massakers an polnischen Juden während des Kosakenaufstandes; verfaßt von Nathan Hannover.

Satirisches Bild eines Juden und Türken, die der Tod in die Hölle mitnimmt. Detail des Bildes "Totentanz" eines unbekannten Künstlers, Mitte des 17. Jahrhunderts, Bernhardinerkirche in Krakau.

Privileg "De non tolerandis Judais" des Königs Sigismund I., des Alten, aus dem Jahre 1527 für die Stadt Warschau. Den Juden wird verboten, in Warschau zu wohnen. Es wird ihnen lediglich gestattet, sich während der Jahrmärkte und Markttage in Warschau aufzuhalten. Im Laufe der Zeit wird dieses Privileg allerdings aus wirtschaftlichen Gründen immer weniger beachtet. Ähnliche Privilegien erhielten auch viele andere Städte in der polnisch-litauischen Adelsrepublik.

Titelseite einer anonymen antijüdischen Broschüre: "Der Hajduke Mikłusz wechselt eine Ortmünze bei einem Juden" (Krakau 1622). Der Autor der Druckschrift bezichtigt den Juden der Münzfälschung.

Die Juden werden aufgrund ihrer anderen Religion, ihrer jiddischen Sprache und ihrer Sitten sowie aufgrund ihrer zunehmenden wirtschaftlichen Konkurrenzfähigkeit von einem Teil der christlichen Bevölkerung Polen-Litauens, nicht zuletzt infolge des Einflusses der Kirche (insbesondere der Jesuiten), abgelehnt. Spannungen und Intoleranz sind die Folge. Die gegen Juden gerichteten Unterstellungen von Hostienschändung, Ritualmorden und Zauberei führen zu Prozessen, die für die Beschuldigten meistens Folter und Tod bedeuten. Die Stadtbehörden führen mit Unterstützung der Geistlichkeit zahlreiche wirtschaftliche Einschränkungen für die Juden ein und bürden ihnen Sondersteuern auf. So geschieht es, daß Bürger und Studenten Juden überfallen, berauben und ihr Hab und Gut zerstören. Nach westlichem Vorbild werden zahlreiche antijüdische Broschüren und Bücher herausgegeben. Das größte Leid jedoch erfahren die Juden in Kriegszeiten. Besonders tragisch ist ihr Schicksal während des Aufstandes unter dem Kosakenführer Bohdan Chmielnicki in der polnisch regierten Ukraine (1648-57). Die aufständischen Kosaken und Bauern betrachten die Adeligen und die Juden als ihre größten Unterdrücker. Tausende Juden werden auf den von den Aufständischen besetzten Gebieten getötet.

Darstellung eines angeblichen rituellen Mordes; Bild eines unbekannten Künstlers aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.





     
A & K Woźniak